Friedrich Rückert
deutscher Dichter, Übersetzer und Orientalist
*16.05.1788 †31.01.1866
*16.05.1788 †31.01.1866
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Text 1 bis 10 von insgesamt 11 Texten
Über alle Gräber wächst zuletzt das Gras
Über alle Gräber wächst zuletzt das Gras,Alle Wunden heilt die Zeit, ein Trost ist das,
Wohl der schlechteste, den man dir kann ertheilen;
Armes Herz, du willst nicht daß die Wunden heilen.
Etwas hast du noch, solang es schmerzlich brennt;
Das verschmerzte nur ist todt und abgetrennt.

Wem ein Geliebtes stirbt...
Wem ein Geliebtes stirbt, dem ist es wie ein
Traum,Die ersten Tage kommt er zu sich selber kaum.
Wie er's ertragen soll, kann er sich selbst nicht fragen;
Und wenn er sich besinnt, so hat er's schon ertragen.


Ich weiß, dass mich der Himmel liebt
Ich weiß, dass mich der Himmel liebt,Weil du mich liebst, mein Leben!
Dass er mir meine Schuld vergibt,
Weil er dich mir gegeben.
Ja, weil du schwörst, dass ohne mich
Kein Glück dir könne lachen,
Muss, um zu machen glücklich dich,
Der Herr mich glücklich machen.

Das Leben ist ein Raub...
Das Leben ist ein Raub,das Leben eine Beute:
Wer weiß, wer´s morgen nimmt!
Wer´s hat, genieß es heute!

Ich wünsche, dass dein Glück...
Ich wünsche, dass dein Glücksich jeden Tag erneue,
dass eine gute Tat
dich jede Stund erfreue!
Und wenn nicht eine Tat,
so doch ein gutes Wort,
das selbst im Guten wirkt,
zu guten Taten fort.
Und wenn kein Wort,
doch ein Gedanke schön und wahr,
der dir die Seele mach
und rings die Schöpfung klar.

Als ich die Augen schloss...
Als ich die Augen schloss,Sich Schlaf auf mich ergoss,
Da kam dein Augenpaar
Und sah mich an so klar.
Es sah mich an so tief;
Ich schaut' hinein, und schlief.
Es ging ein süßer Schmerz
Mir mitten durch das Herz.
Mich schaut' ich ganz hinein,
In Duft zerfloss der Schein,
Da fühlt' ich deinen Hauch
An meinen Wangen auch.
Ich streckte meinen Arm,
Am Busen war mir's warm,
Als lägest du daran;
Wie durft' ich dich umfah'n!
Wie ich dich an mich zog,
Wie ich dich in mich sog!
O warst du fern mir da?
So nah' warst du mir ja.
Trug dich der Traum zu mir?
Trug mich der Traum zu dir?
Wir haben diese Nacht
Beisammen zugebracht.

Dein Auge kann die Welt
Dein Auge kann die Welttrüb oder hell dir machen.
Wie du sie ansiehst,
wird sie weinen oder lachen.

40. Geburtstag
Mit vierzig Jahren ist der Berg erstiegen,wir stehen still und schau'n zurück,
dort sehen wir der Kindheit stilles liegen
und dort der Jugend lautes Glück.
Noch einmal schau, und dann gekräftigt weiter.
Erhebe deinen Wanderstab!
Hin dehnt ein Bergesrücken sich, ein breiter,
und hier nicht, drüben gehts bergab.
Nicht atmend aufwärts brauchst du mehr zu steigen,
die Ebne zieht von selbst dich fort;
dann wird sie sich mit dir unmerklich neigen,
und eh du's denkst, bist du im Port.

Klage nicht...
Klage nicht, dass dir im Lebenward vereitelt manches Hoffen.
Hat, was du gefürchtet eben,
doch auch meist dich nicht betroffen.

Unglaublich, wie erträgt ein Herz
Unglaublich, wie erträgt ein Herz,Was schon zu denken unerträglich!
Hinhalten Hoffnungen den Schmerz,
Ihn brechend, den sie steigern täglich.
Man hofft und hofft, bis hoffnungslos
Geworden das geliebte Leben,
Dann gibt man auf die Hoffnung blos,
Das Leben war schon aufgegeben.

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