Rainer Maria Rilke
deutsch-österreichischer Schriftsteller
*04.12.1875 †29.12.1926
*04.12.1875 †29.12.1926
Text 1 bis 8 von insgesamt 8 Texten
Darin besteht die Liebe: Dass sich zwei Einsame beschützen und berühren und miteinander reden.

Es gibt so wunderweiße Nächte
Es gibt so wunderweiße Nächte,Drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert manchen Stern so lind,
Als ob er fromme Hirten brächte
Zu einem neuem Jesuskind.
Weit wie mit dichtem Diamantenstaube
Bestreut, erscheinen Flur und Flut,
Und in die Herzen, traumgemut,
Steigt ein kapellenloser Glaube,
Der leise seine Wunder tut.


Es gibt Augenblicke, in denen eine Rose wichtiger ist als ein Stück Brot.

Alle, die in Schönheit gehn, werden in Schönheit auferstehn.

Es treibt der Wind im Winterwalde
Es treibt der Wind im WinterwaldeDie Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird.
Sie lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin bereit
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Liebeslied
Wie soll ich meine Seele halten, dasssie nicht an deine rührt? wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten e i n e Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Spieler hält uns in der Hand?
O süßes Lied.

Alle Kraft, die wir fortgeben, kommt erfahren und verwandelt wieder über uns.

Advent
Es treibt der Wind im Winterwaldedie Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird;
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.







